Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart

Fachberatung und Kompetenznetzwerk Quartiersentwicklung

Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Beratung, Begleitung und Entwicklung alterssensibler und partizipativer Quartiersentwicklung für kleinere Städte und Gemeinden in Kooperation mit dem Gemeindetag Baden-Württemberg, ausgeführt durch das Gemeindenetzwerk BE am Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart. Externen Link zur Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam. Gestalten.

RZ Quartier2030 Logo

Auftraggeber Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg
VertreterIn Auftraggeber
Ulrich Schmolz, Leiter Referat 36 ,Quartiersentwicklung'
Kooperationspartner

Gemeindetag Baden-Württemberg als Träger:
Steffen Jäger (Präsident des Gemeindetags) und Annette Ries (Referentin)

Forschungsauftrag

Im Rahmen der Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten“ ist die Fachberatung für kommunale Vertreter*innen und Verantwortungsträger*innen ein wesentlicher Bestandteil.

Im Oktober 2017 wurden 53 innovative Quartierskonzepte von Städten und Gemeinden im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten.“ prämiert. Die Fachberatung Bürgerschaftliches Engagement war beteiligt, diese Städte und Gemeinden in der Antragsphase zu unterstützen, zu begleiten und zu beraten. Als weiterer Schritt wurde im Rahmen der Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten.“ des Ministeriums für Soziales und Integration (2018 bis 2020) in Anbindung an die Kommunalen Landesverbände eine Beratungs- und Anlaufstelle eingerichtet, an die sich die baden-württembergischen Kommunen mit allen Fragen zu den vielfältigen Handlungsfeldern der Quartiersentwicklung wenden können. Für den Gemeindetag übernimmt die „Fachberatung Gemeindenetzwerk Bürgerschaftliches Engagement“ die Beratung zur Quartiersentwicklung. Die bestehenden und bewährten Strukturen des Gemeindenetzwerks Bürgerschaftliches Engagement bieten eine wichtige Grundlage, die der kommunalen Nachfrage nach Begleitung und Beratung nachkommt.  

Viele Interventionen, Maßnahmen und Unterstützung der Quartiersentwicklung orientieren sich an Wissensbeständen, die aus städtisch bis großstädtischen Prozessen gewonnen wurden (vgl. Programm soziale Stadt). Die Übertragung von Modellen und die Verfolgung einer einheitlich stringenten Herangehensweise in der Beratung zur Quartiersentwicklung birgt mehrere Gefahren. Die zentrale Frage der Unterschiedlichkeit ländlicher Räume kommt darin zu wenig zum Tragen. Kleinere Kommunen sind in gleichen Frage- und Themenstellungen nicht miteinander vergleichbar. Sie ‚ticken‘ auf Grund ihrer Komplexität und Verflochtenheit der Situationen unterschiedlich. So stellen sich etwa Fragen, wie ökonomische, technologische und soziale Prozesse wie bspw. die Digitalisierung oder Solidarisierungsbewegungen aus Notsituationen (Covid-19 Pandemie oder die Flüchtlingssituation 2015) wirkungsvoll für die kommunale Entwicklung genutzt werden können.

Kleinere Kommunen brauchen eigensinnige Lösungen und spezifische Konzepte, die deren lokal unterschiedlichen Charakteristika Raum geben. Die Mitwirkung der Bürgerschaft muss passgenau in die Quartiersentwicklung eingebunden sein und lokale Strukturen müssen berücksichtigt werden, damit die lokalen Eigenheiten lebendig bleiben und der lokale Sozialraum eine zukunftsfähige Quartiersentwicklung erfährt. Gleichzeitig benötigen die Kommunen das Know-how über die Ko-Produktion, also das gemeinsame Entwickeln und Wirken von Verwaltung, Kommunalpolitik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in ihren spezifischen Projekten. Die nachhaltige Verankerung und Überführung von Quartiersprojekten in langfristige strukturelle Dorf- und Quartiersentwicklungsprozesse erfordern fachlich fundiertes Wissen in Prozessgestaltung unter Einbeziehung der besonderen Aspekte ländlicher Räume.

Daraus ergibt sich eine Schärfung des bisherigen Beratungsprofils. Erforderlich ist eine:

  • spezifische und differenzierte Beratung
  • partizipative prozessorientierte Beratung
  • ressourcenorientierte Beratung
  • erkundende und erschließende Beratung und Begleitung, um mehr Wissen über lokale Prozesse in ländlichen Räumen zu generieren.

Um kleinere Städte und Gemeinden im Rahmen der Landesstrategie Quartier 2030 in ihren Entwicklungspotenzialen zu unterstützen, wird eine Erweiterung des Kenntnisstands zur Quartiersentwicklung in ländlichen Räumen benötigt.

 Ziele des Forschungsprojekts:

  • die Präzisierung der Fachberatung im Blick auf partizipative kommunale Entwicklungsprozesse
  • die Erweiterung des Kenntnisstands zur Quartiersentwicklung in ländlichen Räumen

Die hochindividuellen örtlichen Begebenheiten erfordern Situationsanalysen und den Zugriff auf Kenntnisse und Entwicklungsinstrumente der Forschung, um Quartiersentwicklung in ländlichen Räumen zu beraten und weiterzuentwickeln. Die Einbettung der Fachberatung Quartiersentwicklung im Zusammenwirken von Wissenschaft und Fachberatung ermöglichen sowohl den Zugriff auf eine große Erfahrungspraxis als auch die Kenntnisse der Forschungspraxis. 

Kernaufgaben der Fachberatung:

Die Fachberatung Quartiersentwicklung versteht sich als Anlaufstelle und in der Beratungsfunktion für Kommunen sowie als Experte auf Landesebene zu Fragen der Quartiersentwicklung in kleineren Städten und Gemeinden und dem ländlichen Raum. Ihre Angebote richten sich somit an die lokale Ebene (Beratungsfunktion der Zielgruppe) als auch in der Generierung von Erkenntnissen und deren Vermittlung auf Landesebene und in der fachpolitischen Öffentlichkeit.

  • Beratung, Unterstützung und Vernetzung

o   Beratung der Zielgruppen

o   Fachspezifische Vernetzung bspw. im Beratungsnetzwerk

o   Transferleistungen. Hierzu zählen der Informationstransfer auf Landesebene, die Gremienarbeit und der Austausch mit Kooperationspartnern.

  • Kompetenznetzwerke als Partizipative Lern- und Erfahrungsszenarien

o   Bildung eines oder mehrerer Kompetenznetzwerke: Ein Kompetenznetzwerk setzt sich zusammen aus ca. 10 interessierten Kommunen (Kompetenzkommunen), die exemplarisch Quartiersentwicklung erproben. Diese werden in der konzeptionellen Entwicklungsarbeit und in ihren Prozessen fortlaufend von der Fachberatung des Gemeindenetzwerks BE unterstützt und begleitet. Ein Kompetenznetzwerk kann einen thematischen Schwerpunkt (Digitalisierung, Integration, etc.) oder eine regionale Ausrichtung haben. Kompetenznetzwerke können für folgende Themenstellungen konzipiert werden: Quartiersentwicklung in ländlichen Räumen, Quartiersentwicklung in der Vielheitsgesellschaft, Digitalisierung als Quartiersentwicklungsstrategien ländlicher Räume.

o   Fortführung der Kolloquien zur Quartiersentwicklung: Kolloquien sind Dialogforen, die institutions- und fachbereichsübergreifenden Austausch ermöglichen. Dadurch wird Wissen transferiert und Ansätze werden weiterentwickelt.  

  • Entwicklung eines evidenzbasierten Leitkonzepts

o   Zur Analyse kommunaler Ausgangssituationen

o   Zur Auswertung und Dokumentation kommunaler Prozesse in der Quartiersentwicklung

  • Leistungen bzw. Produkte für den Wissenstransfer

o   Transferleistungen (Informationstransfer auf Landesebene, Gremienarbeit, Fachvorträge)

o   Unterstützung der Landkreise als Vernetzungsgarant für die Kommunen im ländlichen Raum, bspw. im Zuge von Fachveranstaltungen auf Landkreisebene für deren Landkreiskommunen, durch eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit dem Landkreistag

Entwicklung von Handlungsempfehlungen und Bereitstellung für Zielgruppe und Adressaten bspw. über Artikel in die:gemeinde, auf der Homepage des Gemeindenetzwerks BE, auf der Homepage Quartier 2030 und Publikationen des Ministeriums für Soziales und Integration

Projektleitung

Prof. Dr. Paul-Stefan Roß

Fachberatungsteam

Nicole Saile, Sozialpädagogin (M.A.)

Anja Feyhl

Claudia Peschen, Dipl.-Ing. Landespflege, Mediatorin, Moderatorin

Projektdauer

01.04.2021 - 31.12.2023

Zuordnung
Beratung und Begleitung
Forschungsmethoden
  • Qualitative und quantitative Erhebung im Kompetenznetzwerk
  • Projektaustausch im Rahmen des Kompetenznetzwerks im Sinne von Fokusgruppen
  • Analyse kommunaler Prozesse
  • Individuelle Konzept- und Strategieentwicklung in ausgewählten Kommunen
Publikationen
  • BWGZ 06/2020; Bürgerschaftliches Engagement und Quartiersentwicklung
  • BWGZ 22/2018; Quartiere, Städte und Gemeinden mit Bürgerinnen und Bürgern gestalten
  • BWGZ 17/2019; Pflege gemeinsam mit der Bürgerschaft gestalten